Pavel Rosa: «Ich bin bereit, Cheftrainer zu werden. Ich habe noch zwölf Jahre Zeit dafür»
11/12/2025
In einem Interview für iSport spricht Rosa offen über tschechisches und Schweizer Eishockey, das Leben als Trainer in den Alpen und seinen Ehrgeiz, eines Tages Cheftrainer zu werden.
Die Rückkehr ins Karussell nach einer Zwangspause
Nach dem Ende seines Vertrags in Freiburg genoss Rosa eine Pause, die jedoch schnell unbequem wurde. «Ich bin jemand, der Routine mag, den regelmässigen Ablauf der Dinge. Zu Hause sitzen, in Anführungszeichen, hat mir nach einer gewissen Zeit keinen Spass mehr gemacht», gesteht er. Andererseits brachte ihm diese Pause wertvolle Zeit, um Eishockey zu studieren. «Ich hatte viel Zeit, um Hockey zu schauen. Wenn man trainiert, konzentriert man sich nur auf seine eigenen Angelegenheiten, auf sein Team, höchstens auf den nächsten Gegner. So habe ich die gesamte Weltmeisterschaft, die Schweizer NLA und andere Spiele analysiert. Beruflich hat mich das sehr vorangebracht.»
Bern – ein Umfeld mit enormer Tradition und Druck
Der SC Bern stellt für Rosa eine neue Herausforderung in seiner siebten Saison in der Schweizer Profiliga dar. «Freiburg ist nach und nach zu einem grossen Club geworden, aber Bern ist immer noch etwas anderes. Ich würde es jedem wünschen, das zu erleben», erklärt er begeistert. Die Arena, die durchschnittlich rund 16'000 lärmende Zuschauer empfängt, schafft eine Atmosphäre, die mit der NHL vergleichbar ist.
«Manchmal herrscht hier eine unglaubliche Stimmung, die gleichzeitig zusätzlichen Druck auf die Spieler und alle Menschen im Club ausübt. Besonders jetzt, wo das Team unten steht», fügt Rosa hinzu. Die erste Woche in seinem neuen Engagement war nach seinen Worten chaotisch. «Man muss schnell alle Spieler kennenlernen. Auf der Bank rotiere ich die Stürmer, und wenn man zum Beispiel auf vier gegen drei geht, muss man schnell reagieren, sofort Namen raushauen und keinen Fehler machen, damit nicht zu viele Spieler aufs Eis gehen.»
Der Weg nach Bern und die Zusammenarbeit mit Ehlers
Rosa erhielt seine Chance nach einem Telefonat und einem anschliessenden Meeting mit Sportdirektor Martin Plüss. «Ich habe ihm meine Vorstellungen dargelegt, was geändert werden muss, was nicht funktioniert, was anders gemacht werden sollte», erinnert er sich. Mit Cheftrainer Heinz Ehlers, dem ehemaligen Trainer der dänischen Nationalmannschaft, sprach er zum ersten Mal erst nach der Vertragsunterzeichnung.
«Heinz ist ein sehr netter Mensch, menschlich perfekt. Was die Spielsysteme betrifft, hat es eine Weile gedauert, bis wir drei Trainer uns einig waren, was wir spielen würden», beschreibt Rosa den Beginn der Zusammenarbeit. «Wir spielen einige Dinge nach Heinz, wie er es gewohnt ist, und wir haben mit Patrick andere Dinge hinzugefügt.» Rosa bleibt seinem Arbeitsstil treu: «Ich sage jedem, dass er mein Boss ist und ich derjenige, der ihn ununterbrochen mit Ideen bombardieren wird und niemals damit aufhören wird. Aber die endgültige Entscheidung hat der Cheftrainer.»
Der Abschied von Freiburg
Zwölf Jahre in Freiburg haben Spuren hinterlassen. «Als ich am letzten Tag in der Arena meinen Karton gepackt habe, ist mir fast eine Träne runtergekullert. Sechs Jahre am selben Ort, das ist eine lange Zeit», gesteht Rosa emotional. Aber der Abgang war im Voraus vereinbart – das neue Trainerteam war schon lange vorher unterschrieben. «Der neue Cheftrainer war bereits 12 Monate im Voraus unter Vertrag und der Assistent acht Monate. Ich habe die Saison genossen, habe so hart gearbeitet, wie ich konnte. Die erste Hälfte der Saison war schwierig, ich habe mich nicht besonders gut mit dem Cheftrainer verstanden, aber dann kam Lars Leuenberger und alles hat sich gedreht. Wir haben den Spengler Cup in Davos gewonnen und bis zum Ende der Saison lief es unglaublich gut.»
Der Ehrgeiz, Cheftrainer zu werden
Rosa verbirgt seinen Ehrgeiz nicht. «Ich bin bereit. Aber dorthin zu kommen ist nicht einfach. Jemand muss diese Entscheidung treffen und einen Assistenten befördern. So wie es zum Beispiel Michal Birner in Liberec gemacht hat. Das hat mir gefallen. Dieses Vertrauen. Wir werden sehen, ich werde noch zwölf Jahre trainieren und dann gehe ich in Rente. In dieser Zeit habe ich die Möglichkeit, Cheftrainer zu sein. Ob das in einem Jahr, in zwei oder in drei Jahren kommt, wird sich zeigen.»
Sein Name kursiert auch im Umfeld der tschechischen Extraliga. Würde er auch von dort ein Angebot in Betracht ziehen? «Auf jeden Fall. Wie gesagt, ich bin bereit und offen für alles. Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, ich war nahe an einem Engagement bei Rögle in Schweden. Meine Koffer sind immer gepackt. Ich bin froh, wo ich bin, wenn Bern mich behalten wollte, wäre das super. Wenn nicht, bewege ich mich gerne woanders hin, wenn Interesse besteht.»
Die finanzielle Seite und das Leben in der Schweiz
Was die finanzielle Seite eines Assistenztrainers in der Schweizer Liga betrifft, ist Rosa pragmatisch. «Man spart nicht viel. Man deckt seine Lebenshaltungskosten und es bleibt einem nicht wirklich viel übrig. Andererseits kann man in einem schönen Land leben. Ich pendle von Freiburg nach Bern, wo wir seit acht Jahren in unserer eigenen Wohnung leben. Über die Autobahn sind es 16 Minuten mit dem Auto. Das ist perfekt.»